Allversöhnung

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Insider schätzen, dass im deutschen Pietismus - vor allem in Süddeutschland - etwa 30 bis 40 Prozent der Gläubigen der Lehre der Allversöhnung oder „Wiederbringung aller Dinge" anhängen. Sie besagt im Kern, dass im Verlauf der Heilsgeschichte Gottes alle Menschen und alle Wesenheiten, darunter auch Satan und seine Dämonen, doch noch errettet werden. Das ganze von Gott erschaffene All wird am Ende mit ihm versöhnt sein. Der Grund für dieses göttliche Super-Happy-End liege in der allumfassenden Liebe Gottes. Als Beleg für diese Ansicht führen die Allversöhner beispielsweise Bibelstellen wie den l . Korintherbrief Kapitel 15, Verse 22 bis 28 an: „Denn wie sie in Adam alle sterben, so werden sie in Christus alle lebendig gemacht werden. Jeder aber in seiner Ordnung: als Erstling Christus; danach, wenn er kommen wird, alle, die Christus gehören; danach kommt das Ende, wenn er das Reich Gott, dem Vater, übergeben wird, nachdem er alle Herrschaft und alle Macht und Gewalt vernichtet hat ... Der letzte Feind, der vernichtet wird, ist der Tod ... damit Gott alles in allem ist."

Allversöhner kennen oft recht gut ihre Bibel und wissen natürlich um Gerichte und Strafen Gottes, um ewige Errettung oder Verdammnis. Doch für einen Allversöhner bedeutet ewig nicht endlos. Die hebräischen und griechischen Begriffe für ewig - „olám" und „aion" - können sowohl „Ewigkeit" im Sinne von „Endlosigkeit" bedeuten, als auch einen begrenzten Zeitraum angeben. Genau hier haken die Allversöhner ein und legen den Ewigkeits-Begriff der Bibel mit Zeitalter bzw. Äonen aus. Dies bedeutet dann konkret, Gerichte und Strafen sind zeitlich begrenzt. Ein Mensch, der in seinem irdischen Leben nicht zu Christus fand, muss nach seinem Tod zunächst eine „ewige" pädagogische Phase von Strafen durchlaufen, um dann doch noch von Gott errettet zu werden. Der gläubige Christ dagegen darf die Abkürzung nehmen. Von daher widerspricht es sich nicht, wenn Allversöhner evangelisieren. Sie tun dies oft recht entspannt, glauben sie doch zu wissen, dass bei einer Ablehnung der Heilstat Christi nur die Abkürzung versäumt wird, aber nicht die letztendliche Errettung des Menschen, die auch für einen Allversöhner nur durch Tod und Auferstehung Jesu Christi geschehen und am Ende aller Zeiten für jeden garantiert ist.

Alle wichtigen Deutungen von Bibelstellen aus Sicht der Allversöhner hat der Theologe Andreas Symank in seinem Buch „Werden alle Menschen gerettet? - Überlegungen zur Lehre der Allversöhnung" biblisch seriös widerlegt. Symank war selbst jahrelang Allversöhner, kehrte der Lehre dann aber den Rücken. Zu viele Widersprüche in der Allversöhner-Lehre brachten ihn zum Nachdenken und zum intensiven Forschen in Gottes Wort. So wird beispielsweise von den Allversöhnern behauptet, Gottes Gerichte und Strafen seien zeitlich begrenzt, doch das göttliche Leben nach der Errettung aller Geschöpfe sei endlos. Wie, so fragt Symank, ist dann die Stelle in Matthäus 25 Vers 46 zu verstehen, in der Jesus selbst folgendes sagt: „Sie werden hingehen: diese zur ewigen Strafe, aber die Gerechten in das ewige Leben." Symank rät bei Bibelstellen, die angeblich die Allversöhnungs-Lehre stützen, nie den Textzusammenhang aus den Augen zu verlieren und stets den Gesamtzusammenhang der biblischen Lehre zu berücksichtigen. Und da fällt gleich auf, dass über 90 Prozent aller Bibelstellen, die die Allversöhner zur Stützung ihrer Lehre heranziehen, in den paulinischen Schriften stehen. Paulus, so glauben viele Allversöhnungs-Anhänger, habe von allen Bibelschreibern die höchste Offenbarung Gottes erhalten. Von daher teilen manche Allversöhner die Bibel de facto in 1. und 2. Klasse-Format ein. In der Praxis stellt sich dies so dar, dass sie Kritiker ihrer Lehre gerne auf die noch verhältnismäßig erkenntnisarme „Evangelien-Stufe" stellen, sich selbst aber auf der erkenntnisreichen „Paulus-Stufe" platzieren.

Allversöhner müssen sich fragen lassen, warum über 90 Prozent der Christen der gesamten Kirchengeschichte - darunter solche Gottesmänner wie Augustinus, Luther, Spurgeon - keine Allversöhnungs-Anhänger waren oder sind. Andrerseits sind die bedeutenden Befürworter der Allversöhnungs-Idee Menschen gewesen, die nicht nur aus der Bibel ihr Wissen schöpften, sondern auch aus zweifelhaften Bereichen, die außerhalb der Bibel liegen. So beförderte die Engländerin Jeane Leade (1623-1704) die Idee der Allversöhnung über ihre „philadelphische Gesellschaft" in viele pietistisch-fromme Kreise Europas. Grundlage ihres Engagements war eine Vision, die sie im Jahr 1686 hatte. Darin „sah" sie Adam und Eva auf einem Thron neben den Thronen Christi und Marias sitzen. Scharen von Ungläubigen - nach ihrem Erdenleben durch Christus im Totenreich erlöst - strömten zu diesen Thronen als „Gotteskinder" und wurden von Adam und Eva freudig begrüßt. Fortan war Leade eine eifrige Anhängerin der Allversöhnung. In Deutschland waren es der schwäbische Prälat Johann Christoph Oetinger und der württembergische Prediger Johann Michael Hahn, die der Allversöhnungslehre mächtig auf die Sprünge halfen. Wie Baldur Gscheidle in seiner Schrift über die Allversöhnung belegt, hatten beide großes Interesse am Bereich der Jenseits-Geister und beschäftigten sich auch praktisch damit. Auf seinen persönlichen „Reisen" ins Jenseits traf Hahn auch auf seinen toten Vater, für dessen Seelen-Erlösung er nach seinem Tode Jahre gebetet hatte. Gscheidle legt auch glaubhafte Beweise dafür vor, dass Hahn und Oetinger durch die Okkult-Lehren Theosophie und Kabbala stark beeinflusst waren. Dies hatte Auswirkungen auf ihre Vorstellung von Allversöhnung. Wie bei vielen Sonderlehren, so schöpften auch wichtige Wegbereiter der Allversöhnungs-Lehre aus Quellen, die nach dem Gesamtzeugnis der Bibel als dämonisch abzulehnen sind. Von daher überrascht es nicht, dass Gregor Daillard seinen entscheidenden Impuls, sich mit der Allversöhnung zu beschäftigen, ausgerechnet von einem Esoterik-Lehrer erhielt. Viel zu wenig nehmen Christen den Tatbestand ernst, „dass ein wenig Sauerteig den ganzen Teig durchsäuert" (l. Kor. 5,6). Nur wenige Promille einer „Erkenntnis" aus okkulten Quellen reichen oft aus, um gesunde geistliche Speise nachhaltig zu vergiften. Aus rein menschlicher Sicht betrachtet, hat die Allversöhnungslehre durchaus etwas Sympathisches und Tröstliches: Gottes Liebe holt zum Schluss doch noch jeden ein. Aber ist dieses Gottesbild, gespeist aus menschlichen Wünschen, Hoffnungen und Träumen heraus, das richtige, das tatsächliche? Das zweite Gebot lautet: „Du sollst dir kein Bildnis (von Gott) machen." Wenn überhaupt, dann kann unser Gottesbild nur von der gesamten Bibel her geformt werden. Und die bezeugt einen Gott der Liebe und Strenge, und sie unternimmt keinen Versuch, diese Gegensätze harmonisch aufzulösen. Deshalb können Allversöhner auch keinen wirklich unzweideutigen Schriftbeweis für ihr Gedankengebäude vorlegen. Aber genau der ist unentbehrlich, wenn es um biblische Glaubenslehre geht.

Verbindungen zu anderen Religionen

Im Neuplatonismus gab es Lehren, dass der Tod für die menschliche Seele die Befreiung von der negativ gesehenen Materie ist und die Totenwelt daher ein Ort der Freiheit, nichts Negatives, wobei dieser Zustand oft durch viele Reinkarnationen erarbeitet werden muss.

Auch der Mahayana-Buddhismus geht davon aus, dass die Erlösung für alle Menschen zu erreichen ist.

Im New Age wird die Möglichkeit eines vollkommenen Kosmos, ein "universaler Superorganismus" erhofft, als Endstufe einer kosmischen und gesellschaftlichen Evolution, sie spricht auch von der Wiedervereinigung mit dem Brahman. Von Gott und Versöhnung ist auch hier keine Rede.

Religiöser Pluralismus geht davon aus, dass jede Religion einen Weg zur Erlösung und zur richtigen Beziehung mit dem Göttlichen hat, das damit allen Menschen offen steht. Ansatzweise kann dies auch in der Bewegung der Ökumene erkannt werden.

Die Baha'i glauben an einen inneren Wandel im Menschen und der Gesellschaft, der die gesamte Welt wieder zur Harmonie bringen wird.

Reinkarnation, u.a. im Buddhismus, Hinduismus und im Bereich der Esoterik gelehrt, geht davon aus, dass es eine unsterbliche Seele (bzw. im Buddhismus wirksame Seinsfaktoren) gebe, die sich aus eigener Kraft in immer neuen Leiderfahrungen langsam läutert.

Im Pantheismus ist das Göttliche letztlich die einzige Wirklichkeit - Menschen müssen ihre Unwissenheit überwinden und erkennen, dass sie Gott bzw. ein Teil Gottes sind. Diese Weltsicht wird, mit einigen Abweichungen, u.a. von Teilen im Hinduismus, Anthroposophie, Unitariern, Christlicher Wissenschaft und Ein Kurs in Wundern vertreten.

Synkretismus, die Vermischung von Elementen aus verschiedenen Religionen, wird manchmal fälschlicherweise auch mit Universalismus gleichgesetzt, hat jedoch nichts damit zu tun.