Neuapostolen

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Die Geschichte

Die Neuapostolische Kirche ist nach 1860 aus der Katholisch-apostolischen Gemeinde hervorgegangen, einer um 1830 in England entstandenen endzeitlich orientierten Bewegung. Das prägende Kennzeichen ist die Wiederaufrichtung des Apostelamtes. Die ersten Apostel der Neuzeit wurden 1832 bis 1835 berufen. Die Katholisch-apostolischen Gemeinden haben sich ab 1826 unter der Leitung des Bankiers Henry Drummond (1786-1860) mit den biblischen Aussagen von der Wiederkunft Jesu Christi beschäftigt und sind aus den charismatischen Aufbrüchen (mit Zungenrede, Weissagungen und Heilungen) der schottischen Gemeinde Port Glasgow hervorgegangen. Als der Londoner Pfarrer E. Irving diese Geistesgaben in seinen Gottesdiensten zuließ, wurde er 1832 von seinem Presbyterium entlassen. Er gründete eine freie Gemeinde, die mit seinem Tod 1834 allerdings ein frühes Ende nahm. In weiterer Folge reifte allerdings die Überzeugung in der durch ihn ausgelösten jungen Gemeinde, dass die Wiederkunft Christi bevorstünde, und die Kirche in den vorausgehenden Wirren nur durch die "Wiederaufrichtung der göttlichen Kirchenordnung" nach dem neutestamentlichen Urbild bestehen könne. Durch das "Wort der Weissagung" und durch die Gabe der Prophetie wurden zwölf Apostel berufen und drei Stufen des geistlichen Amtes (Engel, Priester, Diakon) eingeführt. Die Forderung des "Propheten" Heinrich Geyer (1818-1896) aus Berlin, dass nach dem Tod von drei Aposteln 1855 weitere eingesetzt werden sollten, führte zum Bruch zwischen ihm und dem englischen Kollegium. Er widersetzte sich mit dieser Forderung dem Beschluss des Katholisch-apostolischen Apostelkollegiums, sodass es 1860 zu einer Abspaltung und schließlich zur Gründung eines neues Werkes kam. Geyer berief den Priester Carl Wilhelm Preuß und den Niederländer Friedrich W. Schwartz zu Aposteln. Sie wirkten relativ selbständig, eine zentrale Leitung gab es nicht. Im Laufe der Jahre erfuhren die Organisation, die Lehre und die Gottesdienstgestaltung weitgehende Veränderungen.
Erst Apostel Fritz Krebs (1832-1905) schloss die Gemeinden enger zusammen. Er schaffte das Prophetenamt ab und betrieb eine monarchisch-autoritäre Umgestaltung, indem er das Stammapostelamt einführte. Der Stammapostel wird auf Lebenszeit vom Apostelkollegium gewählt. Er steht über allen anderen Aposteln. Krebs selbst nahm dieses Amt ab 1895 ein. Unter seinem Nachfolger, dem früheren Volksschullehrer Hermann Niehaus, wurde der Name "Neuapostolische Gemeinde" eingeführt, 1938 wurde er in "Neuapostolische Kirche" umgeändert. Während der Amtszeit von Johann Gottfried Bischoff (1871-1960), einem Schumacher und Zigarrenhändler, kam es zu zahlreichen Konflikten und Abspaltungen, da er 1951 verkündete, dass er die Wiederkunft Christ noch selbst erleben werde. Als er jedoch 1960 90-jährig starb, erklärte sein Nachfolger Walter Schmidt, dass Gott aus unerforschlichen Gründen noch eine Gnadenfrist gewähre. Von 1975 bis 1978 folgte ihm der Schweizer E. Streckeisen, von 1978 bis 1988 H. Urwyler, seit 1988 ist Richard Fehr der Stammapostel der Organisation mit dem nunmehrigen Sitz in Zürich. Heute zählt die Neuapostolische Kirche rund 10 Millionen Mitglieder. In Österreich gibt es 71 Gemeinden mit rund 5.000 Mitgliedern unter der Führung eines Apostels. Der Sitz ist im 5. Wiener Gemeindebezirk, Mittergasse 10. Weltweit gibt es rund 200 Aposteln.


Organisation

Die eigentlichen Verwaltungseinheiten sind Apostelbezirke. Die Ämterhierarchie besteht aus dem Stammapostel, Bezirksaposteln, Aposteln, Bischöfen, Bezirksältesten, Bezirksevangelisten, Gemeindeältesten, Hirten, Gemeindeevangelisten, Priestern, Diakonen und Unterdiakonen. Jeder Laie kann in dieser Hierarchie aufsteigen. Die Personalausgaben sind gering, da die meisten Ämter ehrenamtlich ausgeübt werden. Daneben üben fast alle Funktionsträger einen bürgerlichen Beruf aus. Gewünscht wird der biblische Zehnte, der aber nicht zwingend vorgeschrieben ist. Die Zeitschrift der Neuapostolischen Kirche heißt "Unsere Familie". Die Neuapostolische Kirche hält sich als das einzigartige "wieder aufgerichtete Erlösungswerk Gottes". Sie versteht sich als die einzige Kirche, die das Erlösungswerk Christi durch ihre Apostel zu Ende führt. Deshalb sucht sie auch keinen Weg zu andern Kirchen.
Am Sonntag versammeln sich die Gemeinden zum Gottesdienst mit Liedern, Chorvorträgen und mehreren Ansprachen, Gebeten und der Abendmahlfeier. Der Stammapostel besucht regelmäßig die Gemeinden, um "in einer Zeit äußerer Bedrohung, innerer Verunsicherung und oft lähmender Angst diesseitige Geborgenheit und zukunftsbezogene Heilssicherheit zu vermitteln".


Lehre

Die Neuapostolische Kirche hat keine systematische Theologie im eigentlichen Sinn betrieben. Sie verfügt aber über eine umfangreiche, in sich geschlossene Glaubenslehre. Grundlage dazu sind die Bibel, das Apostolische Glaubensbekenntnis und das Wort der lebenden Apostel. Niedergelegt ist die Lehre in einem eigenen Glaubensbekenntnis. In zehn Glaubenssätzen wird die Bedeutung des Apostels beschrieben: "Ich glaube, dass der Herr Jesu seine Kirche durch lebende Apostel regiert bis zu seinem Wiederkommen, dass er seine Apostel gesandt hat und noch sendet mit dem Auftrag zu lehren, in seinem Namen Sünden zu vergeben und mit Wasser und mit dem Heiligen Geist zu taufen."
Die Apostel fühlen sich nicht von Menschen, sondern von Gott eingesetzt. Ihre Aufgaben können sie aber nur in engster Verbindung mit dem Stammapostel ausführen. Somit kommt diesem eine große Wirksamkeit und Bedeutung zu. Er gilt als "Vergegenwärtigung" Gottes auf Erden und wie Christus als das "Licht der Welt" und "Brot des Lebens" und verfügt über alle Vollmachten des Heiligen Geistes. Er gilt als unmittelbarer Empfänger der Offenbarungen Gottes und als absolute Autorität in Glaubensfragen. Kritik und Zweifel an seinem Amt und seinen Aussagen werden als Sünde gegen den Hl. Geist angesehen. Wer das Apostelamt und insbesonders das Stammapostelamt ablehnt, lehnt Gottes Ordnung ab und kann nicht in das Reich der Herrlichkeit eingehen. Der Stammapostel und die anderen Apostel sind, ohne dass sie eine entsprechende Ausbildung absolviert haben, die wahren Ausleger der Bibel und Vermittler des zeitgemäßen göttlichen Willens. Sie vermitteln auch allein im Sakrament der Versiegelung durch Handauflegung den Heiligen Geist und gewähren damit den Gemeindemitgliedern das Heil und die garantierte Teilnahme an Gottes Zukunft bei der Wiederkunft Christi. Die anderen Sakramente wie Taufe, die als Teil der Wiedergeburt und Bund des guten Gewissens mit Gott verstanden wird, und das sonntägliche Abendmahl können auch von den andern Ämtern gereicht werden. Taufen von anderen Kirchen werden anerkannt, gelten aber als Nottaufen, die noch der Bestätigung durch die Versiegelung bedürfen. Diese Versiegelung (durch einen Apostel) ist der Höhepunkt des sakramentalen Lebens. Bei der Abendmahlsfeier wird das Brot in Form einer Hostie mit drei Tropfen Wein besprengt, das auch schon Säuglinge empfangen. Drei Mal im Jahr finden Entschlafenengottesdienste statt. Die Verstorbenen "empfangen" dabei durch lebende Stellvertreter die Sakramente. Es gibt auch sogenannte "Gästegottesdienste", zu denen Nichtmitglieder eingeladen werden, und "Tage der offenen Tür". Zu den 144.000, die die erste Auferstehung erleben, gehören nur die Mitglieder der Neuapostolischen Kirche.


Kritik

Aus dem Neuen Testament lässt sich nicht ablesen, dass das Apostelamt zu einer Dauereinrichtung werden soll;
dem Stammapostel gegenüber ist keine Kritik erlaubt, seine Autorität ist gleichsam der unmittelbaren Begegnung der Gläubigen mit Gott davorgestellt;
die Neuapostolische Kirche schreibt keine theologische oder biblische Ausbildung für ihre Amtsträger vor, sie werden vom Stammapostel berufen und ernennen selbst weitere Amtsträger; sie gelten bloß Kraft ihres Amtes als "authentische" Bibelexegeten;
auf Grund ihres Selbstverständnisses zeigt die Neuapostolische Kirche kein ernsthaftes Interesse an der ökumenischen Zusammenarbeit.

Bernhard Dobrowsky

Quellennachweis: Apostelkollegium, Der Neuapostolische Glaube, Frankfurt 1998; Unsere Familie, Amtsblatt der Neuapostolischen Kirche; S. Dammwolf, Gottes verlorene Kinder, Gütersloh, 1996; H. Obst, Die Neuapostolische Kirche, Konstanz, 1996; Homepage der Neuapostolischen Kirche, Stand 2001.
Der Stammapostel ist der Stellvertreter Jesu Christi.


Die Bibel sagt:

Johannes 14, 16-17: Jesus sprach: Ich werde den Vater bitten und er wird euch einen anderen Beistand (Stellvertreter) geben, dass er bei euch sei in Ewigkeit, den Geist der Wahrheit.

Der Stammapostel ist der Empfänger der Offenbarungen Gottes. Er ist Gottes redender Mund auf Erden und seine Aussagen sind verbindlich.

Die Bibel sagt:

Matthäus 23, 8: Ihr aber, lasst ihr euch nicht Lehrer nennen; denn einer (Jesus) ist euer Lehrer, ihr alle aber seid Brüder.

Sprüche 30, 6: Füge zu seinen Worten nichts hinzu, damit er dich nicht überführt und du als Lügner dastehst!


Die Worte des Stammapostels sind der Bibel übergeordnet und sind das zeitgemässe Wort Gottes.

Die Bibel sagt:

5. Mose 4, 2: Ihr sollt nichts hinzufügen zu dem Wort, das ich euch gebiete, und sollt nichts davon wegnehmen, damit ihr die Gebote des Herrn, eures Gottes haltet, die ich euch gebiete!

Das Heil der Gemeinde kommt von den Aposteln.

Die Bibel sagt:

Apg. 4, 12: Es ist in keinem anderen (als nur in Jesus) das Heil; denn auch kein anderer Name unter dem Himmel ist den Menschen gegeben, in dem wir errettet werden müssen.

Johannes 5, 24: Wahrlich, Wahrlich ich sage euch: Wer mein Wort hört und glaubt dem, der mich gesandt hat, der hat ewiges Leben und kommt nicht ins Gericht, sondern er ist aus dem Tod in das Leben übergegangen.

Nur durch die Apostel ist der Zugang zum Vater möglich.

Die Bibel sagt: Johannes 14, 6: Jesus spricht zu ihm: Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben. Niemand kommt zum Vater, als nur durch mich.

Erlösung kommt nur durch den Glauben an die angebotene Gnade der Apostel und Botschafter.

Die Bibel sagt:

1. Timotheus 2, 5: Denn einer ist Gott, und einer ist Mittler zwischen Gott und den Menschen, der Mensch Jesus Christus.

Matthäus 11, 28: Jesus sprach: Kommt her zu mir, alle ihr Mühseligen und Beladenen, und ich werde euch Ruhe geben.

Nur die Apostel können den Heiligen Geist durch Handauflegung spenden und die Gläubigen mit dem Heiligen Geist versiegeln.

Die Bibel sagt:

Epheser 1, 13: In Christus seid auch ihr, nachdem ihr das Wort der Wahrheit, das Evangelium eures Heils, gehört habt und gläubig geworden seid, versiegelt worden mit dem Heiligen Geist der Verheissung.

Der Empfang des Heiligen Geistes durch die Apostel ist die Voraussetzung zur Gemeinschaft mit Gott.
Die Bibel sagt:

Römer 10, 9-10: Wenn du mit deinem Munde Jesus als Herrn bekennen und in deinem Herzen glauben wirst, daß Gott ihn aus den Toten auferweckt hat, du errettet werden wirst. Denn mit dem Herzen wird geglaubt zur Gerechtigkeit, und mit dem Munde wird bekannt zum Heil.

Nur Bischöfe, Älteste, Hirten, Evangelisten und Priester verrichten ein priesterliches Amt.

Die Bibel sagt:

Offenbarung 1, 5 - 6: Jesus, der uns liebt und uns von unseren Sünden gewaschen hat in seinem Blut und uns gemacht hat zu einem Königtum, zu Priestern seinem Gott und Vater.

Die Zugehörigkeit zur neuapostolischen Kirche ist heilsnotwendig.

Die Bibel sagt:

1. Korinther 1, 2: An die Gemeinde Gottes, die in Korinth ist, den Geheiligten in Christus, den berufenen Heiligen, samt allen, die an jedem Ort den Namen unseres Herrn Jesus Christus anrufen, ihres und unseres Herrn.

Die Wassertaufe, auch an Kindern, ist der erste Schritt in die Gemeinschaft mit Gott und ist notwendig für die Rettung.

Die Bibel sagt:

Lukas 23, 42-43: Der Übeltäter sprach: Jesus, gedenke meiner, wenn du in dein Reich kommst! Und Jesus sprach zu ihm: Wahrlich, ich sage dir: Heute wirst du mit mir im Paradiese sein.

1. Johannesbrief 5, 1: Jeder, der glaubt, dass Jesus der Christus ist, ist aus Gott geboren.

Jeden Sonntag wird im Namen Jesus und im Auftrag des Apostels, durch einen Priester die Vergebung der Sünden verkündigt.

Die Bibel sagt:

1. Johannes 1, 9: Wenn wir unsere Sünden bekennen, ist Gott treu und gerecht, dass er uns die Sünden vergibt und uns reinigt von jeder Ungerechtigkeit.

Beim «Entschlafenen-Gottesdienst» werden die Toten in den Gottesdienst gerufen um sie mit den stellvertretenden Sakramenten zu vollenden.

Die Bibel sagt:

5. Mose 18, 10-12: Es soll unter dir gefunden werden… keiner der Wahrsagerei treibt… kein Totenbeschwörer oder Wahrsager oder der die Toten befragt. Denn ein Greuel für den Herrn ist jeder, der diese Dinge tut.

Im Tausendjährigen Friedensreich wird allen Menschen im Diesseits und Jenseits Heil und Gnade angeboten.

Die Bibel sagt:

Hebräer 9, 27: Es ist dem Menschen bestimmt, einmal zu sterben, danach aber das Gericht.

Die Lehre der Neuapostolen entspricht nicht dem Willen Gottes und ist abzulehnen.

Ihr Glaube wächst, wenn Sie täglich die Bibel lesen, mit Gott reden und Kontakt zu anderen Christen pflegen. Wenn Sie keine Bibel haben, schenke ich Ihnen eine.

Autor: Bernhard Dura